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Die „Kündigung“ als verbeamteter Lehrer – so war’s bei mir! Der Antrag auf Entlassung aus dem Dienst und seine Folgen

Kündigen LIKE A BOSS! In meiner Phantasie hatte ich mir das Gespräch X mit meiner Schulleitung so vorgestellt, wie im vorliegenden Video. Ich hatte mir auch schon überlegt, welche Kollegen den Background-Chor bilden würden 😀 Es war dann doch etwas weniger theatralisch – aber mindestens genau so Aufsehen erregend! 😉

In der langen Phase der Entscheidung, ob ich tatsächlich als verbeamteter Lehrer einen Schlussstrich ziehen soll, hätte ich mir ein wenig mehr Infos über das ganze Drum und Dran gewünscht. Man will ja schließlich harte Fakten, um abzuwägen, ob man diesen Schritt wirklich gehen soll. Und wenn man denn nun will, wie genau geht das eigentlich?

Aber was bietet einem das Netz zu dem Thema? Gähnende Leere! Das Thema ist quasi nicht vorhanden. Man könnte fast meinen, alle Lehrer seinen glücklich und trügen sich nie mit Ausstiegsgedanken, wenn man die Repräsentation von Lehrer-Kündigungen im Netz so sieht. Faktisch findet man nur in einigen Referendarsforen verwaiste Threads, in denen sich wenige Aussteiger zu Wort melden. Man muss sich also daraus was zusammenreimen und nährt damit weiter die eigene Unsicherheit und Handlungsunfähigkeit.

Auch das Arbeitsamt, an das ich zu erst gedacht hatte, ist im Fall „verbeamteter Lehrer möchte ein Beratungsgespräch bzgl. Alternativen“ alles andere als eine Hilfe. Tatsächlich erntet man dort ungläubige/missbilligende/mitleidige Blicke. Solche Leute sind da schlichtweg nicht vorgesehen. Bis ich da erst mal einen Termin hatte, fand eine Menge Fehlkommunikation seitens des Arbeitsamtes statt, die keine Buchungsmöglichkeit dafür im Computer haben, dass jemand sich dort trotz laufender Anstellung (ach, was sag ich, LEBENSZEITVERBEAMTUNG) beraten lässt…

Meine Beraterin war sehr abgeklärt und hat mich knallhart damit konfrontiert, dass einen Geisteswissenschaftler wie mich keiner auf dem Arbeitsmarkt brauche. Ich solle mal die Publikation vom Bonner Wissenschaftsladen lesen, da könne ich sehen, dass die Alternativen für mich mau sind. Fazit: Sie riet mir dazu, Lehrer zu bleiben und ne ruhige Kugel zu schieben.
Hervorragend! 😛


Hilft alles nix. Darum habe ich mich über alle meine Fragen im ausgiebigen Telefonat mit der Rechtsabteilung der Lehrergewerkschaft meines Vertrauens schlau gemacht. Nach 7 Jahren Beitragszahlungen ist die Mitgliedschaft also endlich mal für was gut, die ich mir als blauäugiger Referendar habe aufschwatzen lassen ^^ Außerdem wurde mir als Reaktion auf meinen schriftlichen „Antrag auf Entlassung aus dem Dienst“ (Kündigung gibt es ja bei Beamten nicht) ein doppelseitiger Bogen mit rechtlichen Aufklärungen zugeschickt, von denen man sich die meisten mit klarem Menschenverstand ohnehin schon denken konnte.

Hier nun also meine Fragen an die Rechtsabteilung plus die Notizen, die ich mir im Anschluss an das Telefonat gemacht habe. Angaben natürlich ohne Gewähr:

1) Vielleicht doch erst mal Beurlaubung statt kündigen? Unter welchen Umständen kann ich mich beurlauben lassen?

Voraussetzungslose Beurlaubung kann abgelehnt werden und wird sie in der Regel auch, wenn nicht triftige Gründe vorliegen. (Interessant wäre, was genau „triftig“ genug ist.) Alles über 6 Monate muss von höchster ministerialer Stelle bewilligt werden.

1.1) Wie lange ist eine Beurlaubung in Folge möglich?

Im Gegensatz zur voraussetzungslosen Beurlaubung sieht es bei familiären Gründen (Nachwuchs, familiärer Pflegefall) anders aus. Hier wird mehr bewilligt. Nach Elternzeit hat man Rechtsanspruch auf 3 Jahre Erziehungsurlaub. Dies kann auf Antrag nach §71 (Beurlaubung aus familiären Gründen) auf bis zu 12 Jahre insgesamt ausgeweitet werden. In der Regel wird dem stattgegeben. Muss nicht jährlich neu beantragt werden. Der Zeitraum kann schon gleich zu Anfang angegeben werden.

Für Lehrer, die ohnehin in der Kinderwunschphase sind, bietet sich also die dauerhafte Beurlaubung nach Elternzeit schon irgendwie an… Was ist allerdings, wenn man dann nach vielen Jahren wieder in den Beruf einsteigt und dann doch wieder nach 5 Jahren das Handtuch schmeißen will? Richtig, dann hat man einen riesigen Verlust in der Altersvorsorge – aber dazu später mehr.

1.2) In welchem Umfang darf ich bei Beurlaubung anderweitig arbeiten?

Arbeiten darf ich in dieser Zeit in einem Umfang, der „den Gründen meiner Beurlaubung nicht entgegen steht“. Eine volle Stelle bei Arbeitgeber XY im Erziehungsurlaub ist z.B. nicht im Sinne der Erziehung und des Dienstherren. Dies wird in der Regel nicht bewilligt. Der Umfang etwa einer halben Stelle (15 Wochenstunden) wird in der Regel bewilligt. Mehr aber auch nicht. Mit den bewilligten Stunden wird also restriktiv umgegangen.
Faktisch habe ich bei reduzierter Stelle zunächst im Jahr vor meinem Ausstieg einen Antrag auf eine Nebentätigkeit gestellt. Mir wurden 4 Wochenstunden bewilligt. Bei voller Stelle werden übrigens bis zu 8 Wochenstunden Nebentätigkeit bewilligt. Verkehrte Welt…!

Während der Beurlaubung hat man übrigens auch keinen Beihilfeanspruch mehr und zahlt daher die Krankenversicherung zu 100%.

Kleiner Exkurs: Thema Krankenversicherung (weil ich das so oft gefragt werde)

Wenn man aussteigt richtet sich die Versicherung danach, wie das Beschäftigungsverhältnis dann ist. Bei Anstellung muss man raus aus der Privaten und sich pflichtversichert (zusätzlich kann man dauerhaft eine kleine Rate für die Stilllegung des privaten Vertrages zahlen, damit man irgendwann wieder ohne Gesundheitsprüfung rein kann.) Macht man sich selbständig, so kann man sich entweder freiwillig gesetzlich versichern oder bleibt eben in seiner Privaten. Also man verhandelt neu mit den Kassen-Heinis und bleibt dann entweder im alten Tarif, den man jetzt zu 100% zahlt, oder lässt sich ein neues Angebot für nen anderen Tarif machen.

Vorsicht, ist man einmal 55 Jahre alt und privat versichert, dann steckt man darin bis zum jüngsten Tag fest und zahlt im alter horrende Beiträge. Vor 55 kann man noch in die gesetzliche wechseln.

Hybrid-Variante: sich gesetzlich versichern (Pflicht oder freiwillig, je nach Beschäftigung) und sich über die Private zusatzversichern lassen – Zähne, Krankenhaus, whatever. Bei den Zusatzversicherungen muss man dann auch keine neue Gesundheitsprüfung machen, da man die Private ja im Endeffekt jetzt weniger kostet.

2) Kündigung: Wann/wie möglich?

Jederzeit möglich. Es heißt bei Beamten aber nicht Kündigung, sondern „Beantragung der Entlassung aus dem Dienst.“ Dem wird immer stattgegeben. Man kann zu einem beliebigen Datum kündigen. 3 Monate Kündigungsfrist bestehen jedoch, damit der Dienstherr umdisponieren kann.
In der Praxis ist das alles Sache der Absprache mit der Schulleitung. Die können einen früher gehen lassen oder später, so wie sie einen eben ersetzen können. Sie dürfen es aber eigentlich nicht länger als 3 Monate herauszögern. Man kann nach Ausscheiden aus dem Dienst noch für Arbeiten herangezogen werden, die im Nachhinein anfallen. Ich frage mich, was das ist… Vielleicht Orga/Korrekturen/Nachprüfungen, die noch nach dem Ausstieg anfallen und einen unmittelbar betreffen?

3) Was passiert mit meinen Pensionsansprüchen?

Man wird vom LBV bei der Deutschen Rentenversicherung nachversichert (Beim LBV nachlesbar). Allerdings wird nur der Arbeitgeberanteil übertragen, dies bedeutet einen Verlust von etwa 50% der ursprünglichen aufgebauten Ansprüche. Ja, ihr lest leider richtig…

Die Nachversicherung kann bis zu 2 Jahren aufgeschoben werden. Dies ermöglicht, noch mal in ein Beamtenverhältnis einzusteigen und die bisher erworbenen Pensionsanspüche übertragen zu bekommen. Man bekommt bei Kündigung ein Formular zugeschickt, in dem man ein entsprechendes Kreuzchen setzen muss.

Als Bundesbeamter hat man es übrigens besser als als Landesbeamter. Die bekommen dank eines neuen Gesetzes von 2013, das die „Gerechtigkeitslücke schließen soll“, die volle Summe nachversichert. Uff! (Voraussetzung sind mindestens 7 Dienstjahre.) Dazu weiterlesen HIER. In manchen Bundesländern gibt es offenbar für Landesbeamte nach 7 Jahren Dienstzeit einen Anspruch auf Ruhegeld/Altersgeld (z.B. in Rheinland Pfalz), das sollte man abchecken und gleich bei der Kündigung mit erwähnen. In meinem Bundesland NRW ist aber bisher Fehlanzeige.

Fazit: So oder so ist die Rente Peanuts. Man muss sich darauf einstellen, ordentlich in private Altersvorsorge zu investieren. Je nachdem, wie alt man ist, ist das ja auch kein Beinbruch. Da hat man noch viele Jahre zum Aufholen. Ab einem gewissen Alter bedeutet der Ausstieg aber wirklich ein Altersvorsorge-Desaster. Da bleibt es dann abzuschätzen, ob man sich noch irgendwie bis zur Pension durchhangeln kann, man von Krankschreibung zu Krankschreibung lebt, oder noch ein anderweitiger Geldsegen unter der Matratze wartet und man deshalb weich fällt. Meine Devise: wenn die Entscheidung zum Ausstieg einmal steht, dann je früher je besser und die Entscheidung nicht noch Jahre verschleppen.

4) Kann ich neu / in einem anderen Berufszweig verbeamtet werden?

Ja!! Wenn ich die Ansprüche für die Verbeamtung weiterhin erfülle (Alter, Gesundheitsprüfung beim Amtsarzt, Polizeiliches Führungszeugnis). Der Mythos, dass der Staat bei freiwilligem Ausscheiden aus dem Beamtentum „nachtragend“ ist, und man nicht neu verbeamtet wird, hält sich zwar hartnäckig, ist aber Nonsens.

5) Kann ich beantragen, innerhalb meiner bestehenden Verbeamtung für andere Zwecke eingesetzt zu werden, z.B. in der Schulaufsicht? Oder läuft das nur unter Berufsunfähigkeit?

Absolut unwahrscheinlich, dass das bewilligt wird! Man hat ja schon Schwierigkeiten, die dauerhaft Erkrankten anderweitig einzusetzen weil in der Schulaufsicht so wenige Stellen sind.

6) Darf ich noch als Lehrer tätig sein?

Natürlich! Egal ob ich mich auf eine Vertragsstelle oder Beamtenstelle bewerbe, beides geht.


Und wie war es nun bei mir selbst mit der Kündigung? So vom Ablauf her?

Ich habe in den Weihnachtsferien den endgültigen Entschluss getroffen und nach ein paar Tagen schon eine Mail an die Schulleitung geschrieben, dass ich nach den Ferien meine Entlassung beantrage. Auch mein Wunsch-Ausstiegsdatum (Osterferien) gab ich bereits an.

Darauf folgte ein Personalgespräch am ersten Schultag, an dem ich meine Gründe darlegte. Wir einigten uns dann auf ein Ausstiegsdatum (das leider einen Monat hinter meinem Wunschdatum lag).

Ich schrieb daraufhin meinen formlosen Antrag auf Entlassung, der von der Schulleitung an die Bezirksregierung weitergeleitet wurde. (Als Adresse gab ich mal das Dezernat und die Person an, die sonst alle meine Belange geregelt hatte.)

Dann kam erst mal lange nichts. Ich hatte im Netz gelesen, dass man nach Absenden der Kündigung noch 2 Wochen Zeit hat, um wieder zurückzuziehen. Dazu weiter unten mehr. Auch hatte ich eine Kündigungsbestätigung in schriftlicher Form erwartet. Kam aber nichts.

Daraufhin telefonierte ich mit dem zuständigen Personalrat. Der versuchte erst mal eingehend, mich auf der Zielgerade noch zu bekehren, versprach aber dann, nachzuschauen, ob mein Schreiben eingegangen sei und mir entsprechend zu mailen. Eine offizielle schriftliche Bestätigung sei nämlich für so was nicht vorgesehen (!?!)

Eine Woche später erhielt ich ein Einschreiben der Bezirksregierung, in der ich eingehend darüber aufgeklärt wurde, dass meine Pensionsansprüche zum Teil flöten gehen (bzw. ich anteilig nachversichert werde) und dass ich KEIN BEAMTER mehr bin, wenn ich die Verbeamtung kündige… Oh la la! Ich hätte jetzt 14 Tage Bedenkzeit (aha, da sind sie, die zwei Wochen Zeit zum Rückzug), und wenn ich mich dann nicht gemeldet habe, sei meine Entlassung rechtskräftig. – Gesagt, getan, bzw. eben nicht getan 😉 –> nicht gemeldet. Da wird einem dann doch etwas mulmig…

Nach etwa 2-3 Wochen flatterte dann auch schon meine Entlassungsurkunde per Einschreiben in die Schule. Ich hatte mir das etwas glamouröser vorgestellt, aber das Schreiben ist ebenso schlicht (nichtssagend ?) wie die Verbeamtungsurkunde und wurde mir auch nicht von der Schulleitung ausgehändigt, sondern wortlos ins Fach gelegt. Ein Punkt mehr auf dem Charakterschwäche-Konto meiner Schulleitung… Ich musste den Erhalt quittieren und das beigelegte Formular zurücksenden.

Eine Woche vor den Osterferien habe ich es dann meinen Klassen persönlich mitgeteilt. Im Lehrerzimmer war das schon seit Wochen der Dauerbrenner… Das war eigentlich der Schritt, der mir am schwersten fiel, es den Schülern persönlich zu sagen. Es kullerten viele Tränen in den Stunden 😦 Den Eltern habe ich es per Rundmail geschrieben und daraufhin viele traurige aber durchweg sehr nette Antworten erhalten.

Aktuell habe ich noch 9 Schultage vor mir… Ob ich mich freue, fragen mich die Kollegen täglich, und ob ich danach ab und zu mal zu Besuch käme. Klar, beides! Ich freu mich schon drauf, das ganze als Außenstehender aus neutralerer Position besuchen zu können.

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119 Kommentare zu „Die „Kündigung“ als verbeamteter Lehrer – so war’s bei mir! Der Antrag auf Entlassung aus dem Dienst und seine Folgen

  1. Vielen lieben Dank für die ermunternden Worte. Innerlich habe ich schon vor vielen Jahren mit meinem Beamtendasein abgeschlossen aber bisher hat mir entweder der Mut gefehlt oder ich habe mich beeinflussen lasden, von meinem Mann, Freunden und Kollegen. Mein Mann ist auch Bundesbamter und er sieht in dem Ausstieg nur Nachteile. Seine Bedrnken äußern sich im Bezug auf die private Krankenversicherung und auf die spätere Rente. Ich sehe das überhaupt nicht so wie er, weil ich glaube dass allein die Arbeit mich oft krank macht oder gemacht hat. Leider haben gerade Ehepartner ( jedenfalls mein Mann) ein großes Problem damit..Wie sieht es hier so bei anderen in dieser Beziehung aus? Sind bei allen die Partner damit einverstanden?

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